jueves, 23 de junio de 2016

das Leben zwischen Grindr, „Fashion Fags“ und den komischen Schweizern


Lieber Milan

Ich habe deinen Artikel geliebt, wahrscheinlich, weil ich mich auch etwa so fühlte. Hätte ich deinen Artikel geschrieben, würde er sich etwa so betiteln: „das Leben zwischen Grindr, „Fashion Fags“ und den komischen Schweizern“.

Nur damals gab es kein Grindr (oder nicht so verbreitet), ich kannte der Begriff „Fashion Fags“ nicht und die Schweizer sind gar nicht so komisch. Komisch waren die Bedingungen, die die Szene gestalteten. Ich weiss nicht ob du hier warst, wenn das T&M noch gab, aber für mich war seine Schliessung der Wendepunkt in der Szene. Wir gingen von der Szene einer Wannabe-Grossstadt zu was du das Leben zwischen Grindr und “Fashion-Fags“ nennst.

Ich erwähne das T&M, denn ab dem Punkt gab es gar kein Stammtisch mehr für Schwule. Wir konnten nicht mehr spontan Party machen z.B. unter dem Vorwand „Samstagabends“. Wir mussten mit den sporadischen Partys und mit dem einen Klub (das eher eine Afterpartykneipe ist) zurechtkommen. Wir wurden dazu gezwungen, uns in Heteroklubs und in Grindr zurückzuziehen und damit verloren wir unsere schwule Superkraft von „du-bist-in-einem-schwulen-Klub-rede-einfach-mit-ihm“. Nun wenn wir in den Ausgang gehen, ziehen wir vor, Bilder von Schwänzen zu bekommen, als mit dem Bein in den Hosenzwickel zu tasten. Schliesslich kann es im Hive auch Hetis geben.

Wenn ich hier vor sechs Jahren gekommen bin, waren alle „Schweizer“ in meinen Augen Fashion Fags: alle trugen die teuersten Schuhen, hatten Grindr auf den neusten iPhones, und tranken 17-Franken-Gintonics. Als frisch eingezogener Ausländer war ich immer eingeschüchtert von allen solchen Sachen, die die süssen Franken kaufen können. Und ich traute mich nicht mit den Leuten auf Englisch zu reden. Nachher merkte ich, dass die Schweizer nicht unbedingt reich sind sondern eher privilegiert. Sie haben teure Sachen, weil sie es sich leisten können, nicht weil sie arrogant sind.

Mit diesem Vorurteil weg, war diese Hürde auch weg: ich traute mich, in Englisch und gebrochenem Deutsch zu reden. Dann merkte ich auch, dass Zürich international ist, dass die Szene noch internationaler ist und -vor allem- dass alle angemacht werden wollen. Mittlerweile mache ich die Typen auch auf Deutsch an, nicht perfekt wie du liest, aber wie du sagst „wenn dir jemand gefällt, sprichst du ihn an“, und zwar egal auf welche Sprache.

Und dann, wie mein Latino-Blut diktierte, redete ich mit den Leuten und so konnte ich allmählich ein paar Schwänze mit meinem Bein tasten (wenn es so ausgedrückt werden kann). So merkte ich, dass die Fashion Fags gar nicht so zahlreich sind, dass Grindr gar nicht so übel ist und dass die Szene echt coole Leute hat. Die Schweiz zieht solche Leute an, dein Auge muss nur lernen, das blendende Bling-Bling auszufiltern. 


Wie du siehst, habe ich, wie du, meinen Frieden mit der Szene geschlossen. Und mit der Schweiz übrigens auch. Ich habe das Gefühl, dass was mit der Szene in Zürich passiert ist, spiegelt was im Allgemeinen in der Schweizer Gesellschaft auch passiert ist. Nämlich, dass die Szene lebt, dass sie multikulti ist und wer damit leben kann, wird sie sehr wohl geniessen. Genauso wie die Schweiz nur eben auf Fabulous

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